Samstag, 16. April 2011

Nasca / PER - Arequipa / PER

Irgendwie erinnere ich mich noch, dass wir kurz vor Mitternacht in Arequipa (2353m ue.d. M) mit dem Bus angekommen sind und dann gleich in einer Unterkunft in einem kolonialen Gebaeude im Zentrum untergeschlupft sind. Die Stadt, mit fast 900.000 EW die zweitgroesste Stadt Perus, ist von mehreren 6000er Vulkanen umgeben und hat ganzjaehrig ein angenehmes Klima mit viel Sonnenschein. Wir laufen planlos durch das historische Zentrum, geniessen die urbane Atmosphaere, kommen am Hauptplatz gerade zur Kundgebung der Mienenarbeiter zurecht, die fuer bessere Arbeitsbedingungen streiken  (in den lateinamerikanischen Staedten ist immer irgendwo eine Demo) und setzen schliesslich mit dem Besuch des Klosters "Santa Catalina" einen kulturellen Hoehepunkt.
Was ist jetzt an dem Kloster so besonders? Zum einen, dass 1579 mit dem Bau begonnen wurde, um dem Andrang (!!) der Frauen, die ins kloesterliche Leben eintreten wollten, gerecht zu werden (es gab zu dieser Zeit schon 3 Kloster in Arequipa), zum anderen, dass dieses Kloster so gross geplant wurde, dass man einfach einen Teil der Stadt ummauert hat. Dadurch ist das Kloster zur "Stadt in der Stadt" geworden. Die Form des kloesterlichen Lebens entsprach einer Klausur, was bedeutet, dass die Frauen nach der Aufnahme (und Leistung einer betraechtlichen Mitgift) keine Kontakte mehr zur Aussenwelt unterhielten, ausser einmal pro Monat durch eine Sprechmuschel in einer 1m dicken Wand ein von einer Oberin ueberwachtes Gespraech mit Familienangehoerigen (Novizinnen hatten die ersten 4 Jahre ueberhaupt keinen Kontakt nach aussen !). Die Familien  kamen auch fuer den Lebensunterhalt der Klausurnonnen auf und so kam es, dass die ca. 150 Nonnen mit ihren 400 !! Dienstmaedchen! 300 Jahre lang ein ganz fuerstliches, wenngleich abgeschiedenes Leben fuehrten. Ein Kloster also fuer die Adeligen und Reichen, irgendjemand musste ja fuer deren Suendenerlass beten und sie vor demFegefeuer bewahren. Das war auch reglementiert, es gehoerte praktisch zum guten Ton, die zweitgeborene Tochter ins Kloster zu schicken. (in diesem Fall nicht unbedingt das schlechteste was einer passieren konnte, die anderen wurden bekannterweise bestmoeglich verheiratet)
1871 wurde das Kloster jedoch reformiert (den Bischoefen gefiel die unbeschwerte Lebensart der Nonnen dann doch nicht so), die Aufnahme war dann kostenlos, das Leben sehr bescheiden, also ploetzlich mit grossen Schlafsaelen und nix mehr mit eigener Kueche und Stubenmaedchen.
Das es, so abgeschottet von der Welt, ueberhaupt moeglich ist zu suendigen, ist bemerkenswert. Die Bank vor dem Beichtstuhl ist sehr lang. Die suendigen Gedanken die ihr jetzt wieder habt (Pfui ihr Schweinderl) sind baulich unterbunden. Der Priester sass hinter einer 1m dicken Mauer und das Fenster war mehrmals vergittert.
Also nicht wirklich attraktiv fuer heutige moderne Nonnen, es gibt nur noch sechs in diesem Kloster...












Von Arequipa fuehrt uns ein 2 taegiger Ausflug in den 150km entfernten Cañon de Colca. Neben dem Colca-Cañon erscheint der Grand Canyon wie eine Ackerfurche. Diese vom Rio Colca gepraegte Schlucht hat aufgrund der von ca. 1000m (Talsole) bis zu ueber 5000m (Bergspitze) hoch reichenden Haenge verschieden ausgepraegte Microklima und ist daher eine der wichtigsten Agrar- und Landwirtschaftsgebiete Perus. Schon die Anreise in den Cañon ist erwaehnenswert. Sie fuehrt durch die Pampas auf 3800m, wo die bekannten suedamerikanischen Kamelarten (Lama, Alpaca, Vicuña, lat. Obergruppe der "Soeckelbaeren") in Herden grasen, zum Mirador de Los Vulcanes auf 4910m, wo sich ein herrlicher Ausblick auf die rundum liegenden schneebedeckten Vulkane ergibt.

Der Hoehepunkt fuer uns im Colca Cañon waren sicherlich die Condore. Wir muessen schon um 5.00 Uhr morgens raus, rumpeln Stunden ueber die Schotterpiste zum Aussichtspunkt "Cruz del Condor" um rechtzeitig, wenn die Sonne das Tal erwaermt und sich die Aufwinde einstellen, auf die groessten Raubvoegel unseres Planeten zu harren. Diese Voegel, mit maximaler Fluegelspannweite von 3,2m! und bis zu 11kg, sind die Koenige der Anden. Die Weibchen sind etwas schmaechtiger, differenzierbar vor allem durch die roten Augen (schaun ein bisserl versoffen aus). Wir werden belohnt. Der Aufwind traegt die Condore am Hang herauf und ueber unsere Koepfe hinweg in den Himmel hinauf. In gut 2 Stunden koenen wir 6 Tiere beobachten. Keinen Fluegelschlag benoetigen sie dafuer, sie gleiten majestaetisch auf der Luft. Kein Wunder, das sie schon seit Menschengedenken von den alten Kulturen als Goetter oder gottgleich verehrt wurden. Dem aufgeklaerten Menschen ist das Wurscht, was leider dazu gefuehrt hat, dass diese Koenige mittlerweile auf der Liste der vom Aussterben bedrohen Tierarten stehen.


Liebe Gruesse
Die Alchemisten, Auge in Auge mit dem Condor  

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