Sonntag, 24. April 2011

Cuzco / PER - Cachora / PER - Choquequirao / PER

wir wollten es wissen
jetzt wissen wir es
so genau wollten wir es gar nicht wissen
denn eines wissen wir sicher:
nie mehr wieder
                      (HERWIG, APRIL 2011)



EINE REISE VON 1000 MEILEN BEGINNT MIT EINEM EINZIGEN SCHRITT
                                                                                                (Lao Tse, 4.Jhdt.v.Chr.)


...Tausend Meilen waren es zwar nicht, aber...
von Anfang an:

Der "Zooausflug" am Titikakasee mit einer Tourveranstalter hat uns eines schwoeren lassen: die naechsten Trips organisieren wir uns wieder selber! Naechstes anstehendes Highlight sind die Inkaruinen von Choquequirao. Die Anlage soll ca. 4x so gross wie Machupicchu, bis dato aber erst zu 30 % von der Vegetation befreit sein. Der Trail dorthin fuehrt durch die Schlucht des Apurimac Flusses und ist nur muehsam zu Fuss oder mit dem Muli begehbar. Eine mind.4 taegige Wanderung, um die gut erhaltene Ruinenstadt zubesichtigen. Unterwegs gibt es weder Restaurants noch Unterkuenfte, nur ein paar Campingmoeglichkeiten. Der daraus resultierende Vorteil: Du kannst sicher sein, dass dir dort keine Reisegruppen auf die Zehen steigen. Genau das Richtige fuer uns!


Aussicht vom Zimmer in Cachora. Der Weg geht nach links in die Schlucht runter.

Noch in Cusco leihen wir uns ein Zelt, Unterlegmatten und einen kleinen Campingkocher aus,versorgen uns mit Proviant fuer die naechsten 5 Tage und packen unseren Rucksack. Ganz so einfach war es nicht, von Cusco nach Cachora, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung, zu kommen, am Wahlsonntag, der Praesidentschaftswahl! Wir sind noch gar nicht aus dem Taxi ausgestiegen, bietet uns schon ein selbst ernannter "Tourismusbeauftragter" durchs Autofenster seine Dienste an. Alberto werden wir dann auch gar nicht mehr so einfach los, er schleppt uns ,ohne auf unsere Wuensche Ruecksicht zu nehmen, von einem "Hostal" ins naechste. Die Frage nach einem "baño privado" (einem Zimmer mit eigenem Bad) wird mit einem Fingerzeig auf einen Nachttopf (!! ohne Schmaeh!!!) bejaht. Als wir die 4. Unterkunft mit Nachtscherben unterm Bett begutachten, aendern wir das Prozedere. Herwig verhandelt mit Alberto ueber die Mulis und ich mache das Zimmer klar. Nach einer 1/2 Stunde komme ich erfolgreich mit einer Reservation des wohl einzig akzeptablen Zimmers in Cachora zurueck (man stolpert zwar ueber morsche Bodenbretter, der Schimmel im Bad beschraenkt sich nicht nur auf die Decke und die Kellerasseln haben ihre Freude in dieser verstaubten Bude, aber immerhin gibt es sauber Bettlaken und zumindest ab und zu lauwarmes Wasser).


Unsere Geheimwaffe: Tornado

Herwig hat inzwischen schon ein Muli samt Treiber fuer den naechsten Tag gemietet und so bleibt uns sogar noch Zeit fuer einen Bummel durch dieses Doerfchen, das aus dem letzten Jahrhundert zu kommen scheint. Alle Haeuser bestehen aus Adobeziegeln und sehen erbaermlich aus. Falls Putz aufgetragen wurde, so broeckelt er schon wieder ab, Holzboeden scheinen hier Luxus zu sein. Selbst die Kirche fuegt sich passend ins Bild. Auf der Suche nach Trinkwasser betreten wir die finsteren Kramerlaeden kaum ,bereits an der Tuer schlagt uns modriger Gestank entgegen. Wir drehen wieder um und bestellen von der Tuerschwelle aus. Die angebotenen Waren sind in einfachen Regalen und am Lehmboden aufgestapelt und alle, ausnahmslos, voll Fliegendreck. Gut das wir alles in Cuzco gekauft haben.

Endlich ist es soweit! Frueh morgens lernen wir Tornado, unseren Muli, und Eduardo, Eseltreiber, der angeblich vieles ueber Choquequirao weis, kennen. Die Beiden werden uns die naechsten 5 Tage begleiten.
Tornado (das wohl wichtigste Glied unserer Gruppe) wird aufgepackt und los gehts!

Die ersten 11 km sind wunderbares einlaufen fuer uns. Der Pfad fuehrt durch herrliche Vegetation und Eukalyptuswaelder, immer wieder einen Blick auf faszinierende Taeler und die schneebedeckten Berge freigebend, vorbei an steilen Abhaengen und ueber kleine Rinnsale, nur selten behindert Geroell vom letzten Steinschlag unser Vorankommen. Ausser uns weit und breit keine Touristen, nur ab und zu begegnen wir Archaeologen und Arbeitern von der Ausgrabungsstaette Choquequirao, sie waren dieses Wochenende zu den Praesidentschaftswahlen in ihren Doerfern (wer nicht waehlt zahlt Strafe!)  und wandern nun wieder zurueck zu ihrer Arbeitsstaette.

Noch am Vormittag erreichen wir den ersten "Mirador", Aussichtspunkt. Ein gigantischer Blick auf das Tal vor uns tut sich auf. Hier begegnen wir Polizisten, die waehrend der Abwesenheit der Arbeiter Choquequirao bewacht haben. Sie sind voellig ausser Atem und erschoepft. Trotzdem werden Hoeflichkeiten ausgetauscht und nach dem woher gefragt. Zu guter letzt zeigen sie uns noch Choquequirao. Man kann es jetzt schon sehen! In weiter Ferne, ganz oben auf der anderen Seite der tiefen Schlucht.
Wir verabschieden uns und machen uns an den Abstieg. Eine Kehre nach der anderen. Der Pfad wird schmaeler, besteht aus Schutt, Steinen und Sand, fuehrt uns ueber unregelmaessige Geroelltreppen immer tiefer ins Tal. Die faszinierende Natur um uns laesst uns immer wieder innehalten und staunen. Tornado ist laengst samt Gepaeck und Fuehrer voraus. Wir finden immer wieder klares Gebirgswasser am Weg (wer hat uns blos die Wasserreinigungstabletten verkauft? Schaun wir aus wie amerikanische Touristen?)
Noch sind wir (und unsere Beine) locker drauf, es draengt sich nur immer dringlicher der Gedanke auf, dass wir das alles auch wieder zurueck, HINAUF! muessen!

Weitere 10 km und 1500 Hoehenmeter tiefer, kommen wir am Nachmittag im Tal am Fluss Apurimac bei unsrem 1. Camp an. Tornado steht schon bis ueber die Ohren im Gestruep und schlaegt sich verdient den Bauch voll. Da meldet sich auch bei uns der Hunger! Nach dem Zeltaufbau und kochen machen wir uns noch einen romantischen Abend mit Coca-Tee und Sternderlschauen in diesem Paradies.
Mit dem ersten Licht kriechen wir aus unserem Zelt. Ein kleines Fruehstueck muss reichen, Zeltplatz zusammenraeumen, Muli aufpacken und weiter gehts. Nach der Flussueberquerung gehts nun nur noch bergauf. 7 km. 1500 Hoehenmeter.
Nur soviel: der steinige Weg ist steil, sehr steil. Jeder von uns stoesst auf dieser Strecke einmal an seine Grenzen. Nach 2h Aufstieg goennen wir uns eine kurze Pause. Mate de Coca, das gibt wieder etwas Kraft. Und so schleppen wir uns weiter. Kehre fuer Kehre, die Luft wird immer duenner, wir sind fast wieder auf 3000 m. Mit jedem Schritt kommen wir dem Ziel naeher! Und noch eine Kehre und noch eine! Wir versuchen uns mit der Natur von den Strapazen abzulenken. Blueten, purpur, azurblau, fliederfarben, orange bis sonnengelb, kleinste Sternchen und Riesenkelche, dazwischen Kolibris die aus ihnen trinken, 1000de von Schmetterlingen tanzen um uns. Insekten, Kaefer, Spinnen,Wuermer, eine Schlange kreuzt unseren Weg.
Alles lenkt irgendwie wunderbar ab und irgendwann sind wir oben! Fast. Das Mittagessen haben wir bei diesem Hunger schnell gekocht und frisch gestaerkt gehen wir die letzten 3 km ohne grosse Hoehenanstiege an.
Vor uns liegt jetzt zum Greifen Nahe die Anlage Choquequirao. Wunderbare Terassen in den steilen Abhaengen, fuer unser Auge von den Faengen der Vegetation befreit, darueber thront die unzerstoerte Inkastadt. Erschoepft und gluecklich lassen wir uns ins Gras fallen. Die letzten Nebelschwaden, die die Ruinenstadt eben noch mystisch erscheinen lassen, verschwinden und machen dem klarsten azurblauen Himmel Platz. Die Nachmittagssonne bestrahlt die Steinmauern (...wenn das wirklich alles mal vergoldet war..?)

Mit diesem Bild im Kopf und der Vorfreude auf morgen ueberstehen wir die eiskalte Nacht.
Das Aufstehen und Fruehstueckmachen faellt trotzdem schwer. Wieviele Muskeln hat ein Bein? Wir spueren jeden einzelnen. Ausserdem macht Herwigs Knie Probleme. Tapfer kaempft er sich auf die unteren landwirtschaftlichen Terassen. Jetzt schon kommen 100 Fragen auf. Wir versuchen das geniale Bewaesserungssystem zu verfolgen. Treppauf, treppab, und dann der Aufstieg zum eigentlichen Zentrum der Stadt. Wir sind nicht mehr zu halten, von einem Gebaeude zum naechsten, einem Raum zum naechsten und eine Nische folgt der anderen in diesem Steinirrgarten. Unsere Vermutung, dass Eduardo 0 Ahnung (wirklich 0 !) von Geschichte oder auch nur den Inkas hat, bestaetigt sich hier leider. Wir sind sauer, richtig sauer! Da quaelt man sich 2 Tage hierher, dann ist man endlich an diesem fantastischen Ort, hat 1000 Fragen und erhaelt absolut unsinnige Antworten.
Fazit: Wer das Muli kennt, sich manchmal Fuehrer nennt, man sicher besser von ihm trennt und alleine rumrennt!
So, jetzt nur nicht die Laune verderben lassen, Eduardo schicken wir fussballspielen oder zu Tornado oder sonstwohin . Und dann...versuchen wir selbst Antworten auf unsere Fragen zu finden, fuehlen die Steine, die Mauern, die Plaetze.  Ueberwaeltigend! Ich lehne an einer Wand, hoehre nur das Summen von Insekten, Grillen zirpen, der Wind streicht ueber uns, ich hebe den Kopf, ein Condor, knapp ueber uns!  Es ist alles so unwirklich.
Rund um uns die Natur, schwindelerregende Schluchten unter uns , der reissende Rio Apurimac zieht sich nur noch wie eine duenne Schlange tief unten durchs Tal. Die Berge um uns wie mit gruenem Samtstoff bezogen, in der Ferne blenden weisse Bergspitzen. Ein wahrlich magischer Ort, man spuert die Energie.

Am Nachmittag steige ich die Westflanke hinunter.Hier sollten Terassen, verziert mit Lamas aus weissem Quarzstein zu finden sein. Sie wurden erst 2009 entdeckt und ausgegraben. Steile Terassen habe ich schon von oben gesehen, aber keine Lamas.Ich finde den schmalen Pfad, der sich am Rand der Terassen hinunterschlaengelt und bewundere die mit Moosen, Farnen und Flechten bewachsenen Baeume , die mir ab und zu etwas Schatten spenden. Immer wieder entdecke ich neue Farben und Formen von Orchideen, aber noch immer keine Lamas in den Terassen. Also weiter, naechste Terasse, wieder keine Lamas! Naechste und naechste und naechste. Das muss ich alles wieder hinauf! Wurscht, jetzt bin ich soweit gelaufen, dass schaff ich auch noch und wenn ich bis Sonnenuntergang brauche! Und dann sind sie ploetzlich da. Ich quere den Hang und klettere auf eine windige Aussichtsplattform. Ein Schwindelgefuehl packt mich. Ist es die Hoehenangst oder dieser Anblick?Ich bin voellig alleine hier, der ganze Hang, nur fuer mich!
Der Aufstieg ist trotz der stechenden Sonne halb so wild, ich bin voellig berauscht.
Den Rest des Nachmittags laufen wir noch zwischen den Mauern der Stadt, spueren die Kraft an den Zeremonialplaetzen, bewundern zweigeschossige Bauten und gehen erst mit Sonnenuntergang zum Camp zurueck.
Ein ganzer Tag Choquequirao, WOW! und: diesen Platz haben wir an diesem Tag mit nur insgesamt 8 (!!) Gleichgesinnten geteilt. (wieviel Menschen besuchen taeglich Machupicchu? 1000? mehr?)

Der Rueckweg am darauffolgenden Tag war zwar muehsam, erst 11km bergab und beim Aufstieg auf der anderen Seite erwischt uns die Mittagshitze voll.Trotzdem schaffen wir es bis zum letzten Camp vor dem Mirador ganz oben.  Somit haben wir am letzten Tag nur noch 2 Stunden bergauf und erledigen die insgesamt 15 km noch im Fruehnebel bis 10 Uhr Vormittags. Von unzaehligen Mosquitos zerstochen (der Mueckenschutz hat nicht gehalten was versprochen) und mit Blasen an Fuessen und Haenden laufen wir ohne der schwarz/weissen Flagge ueber die Start/Ziellinie bei km Null in Cachora. Geschafft!







Fuer uns war dieseTour etwas ganz Besonderes, Unvergessliches und wir sind auch stolz, es selbst geschafft zu haben (ohne Emergencypferd, wie es die meisten Touranbieter mitfuehren)!
Fazit: wir kommen wieder! Sobald die Fa. Doppelmayr eine 4er Gondelbahn nach Choquequirao gebaut hat.

Liebe Gruesse
Die Treking Alchis



Samstag, 23. April 2011

Cuzco / PER

Cuzco (Cusco, Quos'qo) war die Hauptstadt des Inka Reichs, das seine groesste Ausdehnung vor der Conqista (1532 n. Chr.) hatte. Es erstreckte sich von Equador bis Chile und vom Pazifik bis in  den Regenwald des Amazonas. Die Inka eroberten dieses riesige Reich durch militaerische Staerke und nicht wie Jahrhunderte spaeter in Mitteleuropa ueblich durch Heiratspolitik. Eine ethniche Gruppe, die es in weingen Generationen schafft, so viele verschiedenste Staemme in diesem Territorium zu unterwerfen, haben sich auch kulturell hoeher entwickelt und in den Kuensten, Architektur und landwirtschaftlicher Versorgung,  Spitzenleistungen erbracht. Am sichtbarsten wird das in Cuzco und Umgebung.


Das wir fuer das betreten der Hauptkirchen rund um den Hauptplatz (Plaza) Eintritt zahlen sollten, hat uns anfangs abgetoernt und so brauchten wir mehr als eine Woche um ein "Ticket Religioso" zu erwerben, das uns den Zutritt zur Kathedrale und 3 weiteren Kirchen ermoeglicht. Die Kirchen und vor allem die Kathedrale beherbergen neben den aussergewoehnlichen mit Edelmetallen verschoenerten Altaren auch sehr viele kunstgeschichtliche Schaustuecke und fungieren daher auch als Museen. Daher ist ein Eintrittsgeld wieder gerechtfertigt. In allen Kirchen ist ein deutschsprachiger Audioguide erhaeltlich, der eine Interessante Fuehrung gestalltet. Bei er Erklaerung der Bilder (hauptsaechlich Cuzcoer Schule) wird, mit leichter Barockmusik untermalt, immer wieder darauf hingewiesen wie schoen doch die lokalen indigenen Kuenstler schon vor Jahrhunderten in die Heiligenbilder lokale Elemente (lokale Landschaften, Nahrungsmittel, Gesichter,..) eingefuegt haben und wie grossartig und friedlich hier doch die Symbiose der beiden Religionen (Katholizismus und indigenes Heidentum) vollzogen wurde. Kein Wort ueber die Greuel im Namen des Kreuzes. Das sind wir ja eh schon von der kath. Kirche gewohnt.

Ein besonderes Leckerli moechten wir schon herausstreichen. In der Kathedrale befindet isch neben dem Hauptaltar ein riesiges Gemaelde von Marcus Zapata, das das letze Abendmahl christi darstellt. Aehnlich wie das grosse Vorbild von Leonardo da Vinci, ist auch hier Jesus mit seinen Aposteln abgebildet und aehnlich wie bei Leonardo sind 11 der 12 Apostel alte, baertige Maenner und der 12te ein sehr junger, femininer, Jesus mit verliebten Blicken anhimmelnder, Apostel(In?). In der Mitte am Tisch steht ein grosses Teller mit ... einem gegrillten Meerschweinchen, einem Cuy, der lokalen Spezialitaet und eine der wenigen Fleischgerichte der alten Inkas. Schoen, die Symbiose des Heiligen mit dem Lokalen, nicht wahr!? Doch hier haben die Kuenstler nicht ganz den Kontext des letzten Abendmahles (Eucharestie) verstanden, geht doch das gemeinsame Mahl und das Brechen des Brotes auf alte juedische Traditionen zurueck und in der Kommunion wird das in jeder heiligen Messe wiedererlebt (Verwandlung von Brot in Leib Christi, Brechen der Hostie). Man stelle sich nun einmal vor, wenn bei der heiligen Messe nicht Brot in den Leib Christi verwandelt wuerde sondern gegrilltes Meerschweinchen,  das dann tranchiert und von Priester "zur Vergebung der Suenden" ausgegeben wuerde. Ganz sicher, die Kirchen waeren voll und McDonalds koennte zusperren. Ich finde, die Geschichte passt gerade jetzt zu Ostern so besonders gut!

Apropos Ostern. In der heiligen Woche (Semana Santa, Karwoche) ist natuerlich hier in Cuzco die Hoelle los. Fast taglich gibt es irgend eine Prozession zu Ehren eines Heiligen. Das kommt auch aus dieser erwaehnten Symbiose. Haben doch die Inka ihre verstorbenen und mumifizierten Herrscher und Edelleute staendig durch die Stadt geschleppt, um fuer eine gute Aussaat, Ernte, Wetter, erfolgreiche Kriege, Schutz gegen Erdbeben, etc..zu bitten. Heute kommt das den heiligen Statuen (Jungfrau Maria, schwarzer Christus, hl. Hieronimus,..) zu Gute, die somit auch einmal ans Sonnenlicht duerfen. Phaenomenal waren auch die Blechblasorchester, die die Umzuege begleitet haben. Die Jungs spielen so falsch, dass sogar die Milch im Kaffee sauer wird. Troubadix laesst gruessen! Warum duerfen die nicht auf ihren Panfloeten spielen, die sie perfekt beherrschen?

Am beeindruckensten ist sicherlich der Baustil der Inkas. Die Gebaeude sind aus Steinen gebaut, die tonnenschwer, milimetergenau aneinander gepasst sind, sodass zwischen den Steinen kein Fuellmittel (Moertel) passt. Zwischen den Steinen gibt es eine Art Nut und Feder System, das ein Abrutschen der Steine verhindert. So flexibel und beweglich gebaut ,ueberlebten die Inka Gebaeude selbstverstaendlich auch Erdbeben, was die fruehen kolonialen Bauten der Spanier nicht taten. Heute sieht man im Zentrum von Cuzco noch viele Gebaude, die auf den alten Inkamauern aufgebaut sind und damit stabiler als moderne Bauten sind.

Wir sind fast 2 Wochen mit verschiedenen Ausfluegen in Cuzco und Umgebung gewesen. Diese Stadt hat eine Ausstrahlung und die Cafes und Restaurants mit ihren kleinen Balkonen in die Gassen sind meistens gut geniessbar. Wenn da nicht die Hundertschaften von fliegenden Haendlern waeren, die staendig versuchen einem etwas (Massagen, Bilder, Zuckerl, Ausfluege,...) zu verkaufen.

Liebe Gruesse
Die Alchemisten

Sonntag, 17. April 2011

Ist da jemand!?

Hallo! Ist da jemand? Wir haben schon Blasen an den Wuerstelfingern vom vielen Tipseln und bekommen keine Kommentare oder anderen Feedback! Da koennen wir ja unsere Gschichteln auch den Lamas erzaehlen, die spucken zumindest wenn ihnen etwas nicht passt.

Vielleicht sind unsere Berichte ja schwer kommentierbar und daher haben wir jetzt ein Diskussionsthema fuer Euch. Auf unseren Busfahrten in Zentralamerika und Suedamerika haben wir immer wieder festgestellt, dass die gezeigten Videos des "Bordentertainmentsystem" sehr stark gewaltlastig sind. Blutige Kampfszenen, in denen  kahlgeschorene, tatoowierte Ramboclons ballernd, schlitzend, sprengend durch die Gegend ziehen, wechseln sich mit blutigen Kampfszenen, in denen sich die andern auf die gleich Art raechen, ab. (Uns helfen dabei Oropax und ein gutes Buch.)
In den Bussen sitzen Muetter mit ihren noch nicht schulpflichtigen Kindern, die fasziniert auf die Aektschn starren. Es ist auch in Europa bekannt, dass sich in den Armutsvierteln der lateinamerikanischen Grossstaedten genau solche Gewaltszenen abspielen, Jugendliche sich ueber Gewalt in ihren Banden definieren, Gesetze ausser Kraft gesetzt werden und das Faustrecht regiert.
Ist diese Gewalt nicht hausgemacht, wenn man die Kinder schon als Kleinkinder mit solchen "Scheinrealitaeten" fuettert? Wird denn durch die oeffentliche Verbreitung dieser Videos (vor allem in den Bussen) nicht die Gewaltbereitschaft gefoerdert, die Hemmschwelle gesenkt? Zuechten wir uns nicht dadurch die kaltbluetigen, skrupelosen Monster der naechsten Generation? Sollte man die Kinder nicht vor diesen Filmen schuetzen?

Oder ist die Gewalt in den Elendsvierteln aufgrund der widrigen Lebensumstaende und der Aussichtslosigkeit systemimmanent? Haben diese Filme vielleicht erzieherischen Wert und bereiten die Kids auf die brutale Welt da draussen vor? Koennten sie vielleicht sonst gar nicht ueberleben? Wie wuerde es einem "behueteten" europaeischen Kind, das mit Lego und Barbie aufgewachsen ist, in einem Vorstadtslum ergehen?

Und wie schaut das in der Zukunft aus? Werden irgendwann diese Minirambos unseren Fewa Wolle Kindern die Faust aufs Auge rammen und ihnen die netten Spielsachen (Auto, Haus, Garten, ...?) abnehmen? Sollten wir unseren Kindern womoeglich auch lernen mit Gewalt umzugehen, sich mit dem Schwert zu verteitigen? Paintball statt Bodenturnen! Kick Boxen statt Floetenunterricht!

Sind gespannt auf Eure Meinung.

Liebe Gruesse
Hanibal L.

Arequipa / PER - Puno / PER

Der Titicacasee ist der hoechste (3.800m ue.d. M.) schiffbare See der Welt. Trotz der landschaftlichen Schoenheit der Region hatten wir laengere Diskussionen ob wir ueberhaupt diesen Abstecher machen sollten oder gleich nach Cusco weiterfahren sollten. Nun, wir haben ihn gemacht und jetzt sind wir in Puno, der groessten Stadt (125.000 EW) am See, der zu 65% in Peru und zu 35% in Bolivien liegt. Am Tag nach unserer naechtlichen Ankunft entdecken wir, dass Puno leider nicht sehr anziehend auf uns wirkt. Gerade mal der Hauptplatz und die Fussgaengerzone sind gepflegt, weiter weg sind die Strassen staubig und schmutzig.

Fuer Yachties wie uns ist natuerlich ein Bootsausflug verpflichtend. Wir finden ein von einer Oesterreicherin gefuehrtes Reisebuero, buchen einen Tagesausflug auf den See und diskutieren mit Sonja (lebt seit 25 Jahren in Peru) oesterreichische Tagespolitik und peruanische Tourismusentwicklung. Sonja, Praesidentin des lokalen Tourismusverbandes gibt uns auch einige interessante Einblicke in den laufenden Praesidentschaftswahlkampf (Wahlen am 10.04.11). Taeglich sind wir mit lautstarken Umzuegen der Sympatisanten der verschiedenen Kandidaten konfrontiert. Sonja berichtet, dass die meisten mitlaufenden Fahnenschwinger dies fuer eine warme Mahlzeit und ein T-Shirt machen.

Sehr frueh morgens und in warme Kleidung gut eingepackt, legen wir mit unserem Ausflugsdampfer von Puno ab. Erster Stopp sind die schwimmenden Schilfinseln der Uro-Indianer. Die alten Uros haben sich bei kriegerischen Auseinandersetzungen immer wieder auf die Schilfinseln zurueckgezogen und sich so erfolgreich einer Unterwerfung entzogen. Die echten Uros sind leider schon ausgestorben. Ihre Nachfahren versuchen die Kultur zu erhalten und damit ein touristisches Highlight fuer die Gegend zu schaffen.

Bei Ankunft werden wir von traditionell gekleideten Frauen ueberfreundlich empfangen, die Maenner und der Guide erklaeren den Aufbau und die funktionsweise der schwimmenden Totora-Schilfinseln, die Frauen ziehen uns zur Besichtigung in ihre Huetten und gleich anschliessend zu ihrem privaten "Mercado" wo sie Handarbeiten und Souvenirs mit entsprechendem Nachdruck feilbieten. Wer nach einigen Minuten noch nichts gekauft hat wird darauf hingewiesen, dass der Verkauf dieser Waren die Lebensgrundlage fuer die Familien ist und man doch ein bisserl mehr "collaboration", Zusammenarbeit zeigen sollte.

Die Touris werden in ein Schilfboot gebeten (wir lassen uns nicht dazu zwingen), 10 Minuten herumgerudert und duerfen beim aussteigen $3,50 abdruecken. Abzocke. Uns ist das alles sehr peinlich und wir fuehlen uns auch etwas ueberrumpelt. 150 Familien muessen eben von etwas Leben!





Der Ausflug fuehrt uns weiter zur Insel Taquile (fest, nicht schwimmend). Eine 40 minuetige Wanderung zeigt uns die wahre landschaftliche Pracht des Sees. Die Einwohner leben noch in sehr strengen Traditionen und leisten taegliche Arbeiten fuer die Gemeinschaft. Tourismuseinnahmen fliessen in die Gemeinschaftskasse. Hier stricken die Maenner und ihre Zipfelmuetzen geben Auskunft ueber ihren Status (ledig, verheiratet, Anfuehrer). Auf der Rueckfahrt mit achterlicher Welle schaukeln wir gemuetlich und das monotone brummen des Schiffsmotors schlaefert uns ein. Wir traeumen von weit entfernten Inseln im Pazifik Ohne Touri Abzocke.

Liebe Gruesse
die Alchemisten

Samstag, 16. April 2011

Nasca / PER - Arequipa / PER

Irgendwie erinnere ich mich noch, dass wir kurz vor Mitternacht in Arequipa (2353m ue.d. M) mit dem Bus angekommen sind und dann gleich in einer Unterkunft in einem kolonialen Gebaeude im Zentrum untergeschlupft sind. Die Stadt, mit fast 900.000 EW die zweitgroesste Stadt Perus, ist von mehreren 6000er Vulkanen umgeben und hat ganzjaehrig ein angenehmes Klima mit viel Sonnenschein. Wir laufen planlos durch das historische Zentrum, geniessen die urbane Atmosphaere, kommen am Hauptplatz gerade zur Kundgebung der Mienenarbeiter zurecht, die fuer bessere Arbeitsbedingungen streiken  (in den lateinamerikanischen Staedten ist immer irgendwo eine Demo) und setzen schliesslich mit dem Besuch des Klosters "Santa Catalina" einen kulturellen Hoehepunkt.
Was ist jetzt an dem Kloster so besonders? Zum einen, dass 1579 mit dem Bau begonnen wurde, um dem Andrang (!!) der Frauen, die ins kloesterliche Leben eintreten wollten, gerecht zu werden (es gab zu dieser Zeit schon 3 Kloster in Arequipa), zum anderen, dass dieses Kloster so gross geplant wurde, dass man einfach einen Teil der Stadt ummauert hat. Dadurch ist das Kloster zur "Stadt in der Stadt" geworden. Die Form des kloesterlichen Lebens entsprach einer Klausur, was bedeutet, dass die Frauen nach der Aufnahme (und Leistung einer betraechtlichen Mitgift) keine Kontakte mehr zur Aussenwelt unterhielten, ausser einmal pro Monat durch eine Sprechmuschel in einer 1m dicken Wand ein von einer Oberin ueberwachtes Gespraech mit Familienangehoerigen (Novizinnen hatten die ersten 4 Jahre ueberhaupt keinen Kontakt nach aussen !). Die Familien  kamen auch fuer den Lebensunterhalt der Klausurnonnen auf und so kam es, dass die ca. 150 Nonnen mit ihren 400 !! Dienstmaedchen! 300 Jahre lang ein ganz fuerstliches, wenngleich abgeschiedenes Leben fuehrten. Ein Kloster also fuer die Adeligen und Reichen, irgendjemand musste ja fuer deren Suendenerlass beten und sie vor demFegefeuer bewahren. Das war auch reglementiert, es gehoerte praktisch zum guten Ton, die zweitgeborene Tochter ins Kloster zu schicken. (in diesem Fall nicht unbedingt das schlechteste was einer passieren konnte, die anderen wurden bekannterweise bestmoeglich verheiratet)
1871 wurde das Kloster jedoch reformiert (den Bischoefen gefiel die unbeschwerte Lebensart der Nonnen dann doch nicht so), die Aufnahme war dann kostenlos, das Leben sehr bescheiden, also ploetzlich mit grossen Schlafsaelen und nix mehr mit eigener Kueche und Stubenmaedchen.
Das es, so abgeschottet von der Welt, ueberhaupt moeglich ist zu suendigen, ist bemerkenswert. Die Bank vor dem Beichtstuhl ist sehr lang. Die suendigen Gedanken die ihr jetzt wieder habt (Pfui ihr Schweinderl) sind baulich unterbunden. Der Priester sass hinter einer 1m dicken Mauer und das Fenster war mehrmals vergittert.
Also nicht wirklich attraktiv fuer heutige moderne Nonnen, es gibt nur noch sechs in diesem Kloster...












Von Arequipa fuehrt uns ein 2 taegiger Ausflug in den 150km entfernten Cañon de Colca. Neben dem Colca-Cañon erscheint der Grand Canyon wie eine Ackerfurche. Diese vom Rio Colca gepraegte Schlucht hat aufgrund der von ca. 1000m (Talsole) bis zu ueber 5000m (Bergspitze) hoch reichenden Haenge verschieden ausgepraegte Microklima und ist daher eine der wichtigsten Agrar- und Landwirtschaftsgebiete Perus. Schon die Anreise in den Cañon ist erwaehnenswert. Sie fuehrt durch die Pampas auf 3800m, wo die bekannten suedamerikanischen Kamelarten (Lama, Alpaca, Vicuña, lat. Obergruppe der "Soeckelbaeren") in Herden grasen, zum Mirador de Los Vulcanes auf 4910m, wo sich ein herrlicher Ausblick auf die rundum liegenden schneebedeckten Vulkane ergibt.

Der Hoehepunkt fuer uns im Colca Cañon waren sicherlich die Condore. Wir muessen schon um 5.00 Uhr morgens raus, rumpeln Stunden ueber die Schotterpiste zum Aussichtspunkt "Cruz del Condor" um rechtzeitig, wenn die Sonne das Tal erwaermt und sich die Aufwinde einstellen, auf die groessten Raubvoegel unseres Planeten zu harren. Diese Voegel, mit maximaler Fluegelspannweite von 3,2m! und bis zu 11kg, sind die Koenige der Anden. Die Weibchen sind etwas schmaechtiger, differenzierbar vor allem durch die roten Augen (schaun ein bisserl versoffen aus). Wir werden belohnt. Der Aufwind traegt die Condore am Hang herauf und ueber unsere Koepfe hinweg in den Himmel hinauf. In gut 2 Stunden koenen wir 6 Tiere beobachten. Keinen Fluegelschlag benoetigen sie dafuer, sie gleiten majestaetisch auf der Luft. Kein Wunder, das sie schon seit Menschengedenken von den alten Kulturen als Goetter oder gottgleich verehrt wurden. Dem aufgeklaerten Menschen ist das Wurscht, was leider dazu gefuehrt hat, dass diese Koenige mittlerweile auf der Liste der vom Aussterben bedrohen Tierarten stehen.


Liebe Gruesse
Die Alchemisten, Auge in Auge mit dem Condor  

Sonntag, 10. April 2011

Das grosse Abenteuer ruft!

Koerperlich sind wir eigentlich schon in Cusco, der ehemaligen Inkahauptstadt. Unser aktuelles Ziel heisst Choquequirao, die grosse Schwester von Machu Picchu, die aber grossteils noch nicht ausgeraben ist und vor allem nur durch einen mehrtaegigen Fussmarsch durch die Berge erreichbar ist. 5 Tage haben wir uns fuer dieses sportliche Abenteuer Zeit genommen und sind daher bis zum Osterwochenende von jeglicher Zivilisation abgeschnitten {Handy, Internet, Zimmer, Bett, Dusche}.
Um dem ganzen Abenteuer noch etwas drauf zu setzen haben wir alles selber organisiert {Zelt, Essen, Muli, Campingkocher,...}. Morgen Montag Frueh gehts los! Daumen halten, das uns die Luft in den hohen Bergen nicht ausgeht und wir dem oesterreichischen Bergvolk alle Ehre machen.
Natuerlich werden wir die ausstehenden Berichte zum Osterhasen nachliefern.

Liebe Gruesse
Die Expeditionsleitung

Dienstag, 5. April 2011

Ica / PER - Nasca / PER

Nasca ist ein kleines Kaff, aber diesesmal steht ja auch keine Stadtbesichtigung an .(zum Glueck fuer Herwig, weit und breit keine Cathedrale oder besonders sehenswertes Museum ;-) ). Der einzige Grund warum wir hier sind,  sind die weltberuehmten Nasca-Geoglyphen. Und damit man die auch richtig sieht, muss man in einen kleinen Flieger und abheben.
Also raus aus dem Stadtzentrum, vorbei an der mit ueber 1000 m hoechsten Sandduene Americas (lt. lokalem Tourismusverband) und parken 100m vor dem Flugfeld vor einem kleinen unscheinbaren Haeuschen, welches sich als "Keramikmuseum entpuppt". Doch noch Pech gehabt, Herwig ;-)
Durch die Tuere gepurzelt stehen wir in einer kleinen  Werkstatt, in einer Ecke entdecken wir eine Art Pizzaofen, der alte schiefe Tisch ist vollgerauemt mit Pinselchen, Farbschaelchen, Pulverchen,Lehmklumpen, Moersern und Keramikscherben. Ein dicker quirliger Pedro mit wirrem Haar und vollbekleckstem T-Shirt, laesst uns davor auf Holzhockern Platz nehmen. So durften wir noch sehr anschaulich und interessant vorgefuehrt lernen, wie alte Kulturen , in diesem Fall die Nasca, Keramik herstellten.Selbst Herwig hatte Spass an diesem schraegen "Museum" mit seinem Unikum Pedro.;-)
Jetzt aber zu den Geoglyphen!
Trotz der im  Moment sehr teuren Flugtickets (es giebt nur noch 3 von ehemals 8 Fluggesellschaften, alle nach einem Flugzeugabsturz durch den empfindlich erhoehten Sicherheitscheck gefallen) laeuft es nicht wirklich professionell ab, auf diesem Miniflughafen mitten in der Pampas. Irgendwann heben wir dann aber doch mit einer kleinen Maschiene ab und es geht auch gleich in die erste Kurve. Unter uns kommt eine Figur in Form eines Wals in Sicht, fuer die rechte Fenstereihe. Also Flieger einmal umgelegt und in enger Kurve fuer die Linke Fensterreihe da Ganze nochmals. Leise beschleicht uns der Gedanke, dass wir vielleicht doch eher fuer die hohe See als fuer diesen, dem Red Bull Air Race aehnlichen, Ausflug geschaffen sind.Dezent melden sich unsere Maegen, aber es ist keine Zeit , schon kommt die naechste Figur  in Sicht.
Eine scharfe Kurve ,die Maschiene quergelegt, damit  den Affen im Wuestensand auch ja alle gut sehen. Die Dame in der Reihe hinter uns ist die erste die kotzt. So, nun das Ganze nochmals fuer die gegenueberliegende Seite, begleitet vom rascheln eines Plastiksackerls (Papierkotztueten gab es nicht) in der Reihe vor mir.
Nur die Augen nicht schliessen und tief duchatmen, nicht nachdenken! Mit diesem Vorsatz ueberstehen wir die naechste halbe Stunde (mit vollem Magen) und lassen uns von diesem Bilderbuch im Wuestensand faszinieren. Wir koennen noch riesige Kolibris entdecken, eine Spinne, den Guanovogel mit einer Schnabellaenge von 300(!) m, einen Baum, einen Fisch , unzaehlige enorme Trapeze, Dreiecke ,Spiralen, wir folgen kilometerlangen schnurgeraden Linien, die wieder im Nichts verschwinden.
Urheber dieser mysterioesen Erdzeichen war ein praekolumbisches Kuestenvolk, die Nasca, das ca. 200 vor Chr.bis 800 n.Chr. lebte.  Zu was dienten diese Bodenmakierungen, wie konnten sie so exakt angefertigt werden, hatte dieses Volk etwa eine Moeglichkeit die Bilder aus der Luft zu sehen,...? Mit tollen Eindruecken und vielen neuen Fragen machen wir uns auf den Weg nach Arequipa. Zu neuen Abenteuern.

Liebe Gruesse
Die Alchemisten

Trujillo / PER - Ica / PER

Der Nachtbus bringt uns weiter suedlich. Um 06.30 schlagen wir in Lima auf, nur um sofort ein Ticket weiter nach Sueden bis Ica zu loesen. Der Fruehnebel mit Smog, Laerm, Hektik, das alles hat uns nicht zum Fruehstueck gepasst und ausserdem haben wir uns in Lima auch keine wirklich originellen Sehenswuerdigkeiten gesehen, fuer die sich ein Aufenthalt lohnen wuerde. Kurz nach Mittag, nach in Summe 14 Stunden Busfahren, beziehen wir in Ica schon etwas geschlaucht Quartier.

 Ica bietet jetzt nicht so viel Praeinkakultur, eigentlich gar nichts in dieser Richtung, aber dafuer gibt es hier echte Wueste (so wie sich das der kleine Maxl in Oesterreich eben vorstellt), mit Sandduenen und Oasen und dort wo man mit dem in den Anden entsprungenen Fluss die Wueste fruchtbar macht, Zuckerrohr und Wein. Jawohl Wein, mitten in der Wueste. Neben dem Ort Pisco ist Ica Perus Wein und Pisco (so heisst auch Perus Nationalstolz, der lokale Weinbrand) Zentrum. Statt hochgeistige Geschichte, hochprozentige Gegenwart.
 Zuerst besuchen wir die Bodega (Winzerei) Tacama, die als industriell eingestuft ihre Produkte aehnlich wie unsere Winzer in Stahlblechtanks maischt und keltert. Vom Glockenturm, mit dem taglich manuell Arbeitsbeginn und  Feierabend eingelaeutet wird, bekommen wir einen guten Ueberblick ueber die eigenen Anbauflaechen. Neben dem Wein wird natuerlich auch Pisco gebrannt. Den brennt man allerdings direkt aus dem vergorenen Traubenmost (hat natuerlich durch die brennheisse taegliche Sonne einen hohen Fruchtzuckergehalt) und nicht wie bei uns der "Trebener" (oder Tresterbrand, die Italiener sagen auch Grappa), wo der gepresste Mostkuchen nocheinmal aufgezuckert und eingemaischt wird (beim Grappa allerdings direkt destiliert).


Beeindruckender war der anschliessende Besuch einer traditionellen Pisco Destillerie. Hier ist wirklich noch alles Handarbeit bzw. Fussarbeit (einstampfen der Trauben). Die vergorene Maische wird dann in einen ca. 1800 Liter fassenden , teilweise eingegrabenen Betonsilo gefuellt, der mit Holz unterheizt wird. Die alkoholischen und aromatischen Daempfe werden in einem sich verjuengenden Rohr durch ein kuehles Wasserbecken geleitet und am Ende vom Brennmeister geprueft. Er entscheidet, wann der "Kopf" (Vorlauf) durch ist und das "Herz" in die Behaelter geleitet wird, bevor der "Schwanz" wieder (Nachlauf) wieder abgezweigt wird. Unser junge Fuehrer ist bei der anschliessenden Degustiation auch wirklich darauf bedacht, das wir auch reichlich von jedem der hergestellten Produkte  verkosten.


Durch den reichlich eingefloessten Mut, wagen wir uns gleich anschliessend mit dem Sandbuggie zum Wuestenausflug. Die Buggies, vom 4 bis 13 Sitzer, erinnern an den Film "Mad Max" aus dem80iger Jahren. Unser noch jugendlicher Pilot zeigt auf seinen Unterschenkeln einige Male schwerer Verletzungen, wie z.B. Frakturen. Vom Schifahren sind die jedenfalls nicht. Mit einem Dragster - aehnlichen Motorgeraeusch fliegen wir ueber die Sandpiste, sodass unser Adrenalinpegel auf maximalen Anschlag steht.

In manchen Kurven ist die Fliehkraft so stark das manchmal sogar die Passagiere aus dem Buggie geschleudert werden ;-)


Irgendwo auf einer riesig hohen Duene bleiben wir stehen, holen Snowboards aus dem Gepaecksnetz und boarden die Duene hinunter. Geschwindigkeitsjunkies wie wir legen sich mit dem Bauch aufs Board und, eh kloar, "wer bremst verliert". Der Vorteil in dieser Position ist auch, dass man dabei gleich die Zaehnchen sandstrahlt und nach der 3ten Abfahrt blitzen sie schneeweiss. Mit dem letzten Tageslicht kehren wir in die Oase Huacachina zurueck, der Ohr zu Ohr Grinser haelt allerdings noch einige Stunden an.


Liebe Gruesse
Die Alchemisten

Freitag, 1. April 2011

Ciclayo / PER - Trujillo / PER

Von Ciclayo nach Trujillo muss man in suedamerikanischen Massstaeben gesprochen quasi nur "einen kleinen Hupfer tun". Ca. 3h im Bus ist vergleichbar mit Ottakring - Hernals mit der Bim in Wien. Ein nettes Hostal in zentrumnaehe und schon sind wir zu Fuss auf Streifzug durch die Stadt. In der Fussgaengerzone (Av. Pizzaro) dann die grosse Ueberaschung. Aus einem netten Cafe blitzt der Edelstahl einer echten Espressomaschine. Wir gleich rein und bestellen einen Espresso und einen Capucino. Und wirklich...mit Milchschaum und Crema...herrlich.
Das musst du naemlich wissen, dass es in den Kaffeelaendern hier herueben kaum eine Kaffeetrinkkultur gibt. In Panama suchst du neamlich vergebens nach einem vernuenftigen Espresso. Meistens nur der "Americano" (Filterkaffee). In Ecuador haben wir eine neue Variante kennengelernt, den "concentrado". Hier wird der Instantkaffee als sehr starkes Konzentrat angeruert und zum Fruehstueck bekommst du eine Kanne heisses Wasser oder Milch, in die du dann das Konzentrat einbringst. Natuerlich bekommst du am Anfang ein volles Haeferl mit Milch und hast keinen Platz fuer den Kaffee, aber nach 3-4 Tagen alchemistischer Mischungsversuche kommt man schon ganz gut hin. Trotzdem, Instant. Daher die Riesenfreude ueber einen echten Dampfdruckgepressten.

Eigentlich ist die Gegend eine Wueste. Aber aus den Anden bahnen sich mehrere Fluesse den Weg durch den Sand, um an der Kueste in den Pazifik zu muenden. Mit dieser Frischwasserquelle haben sich schon tausende Jahre vor Christus Menschen in dieser Gegend versorgt. Aelteste Funde datieren auf 10.000 B.C. Interessant wurde es aber erst, als die Menschen anfingen zu siedeln und Pflanzen anzubauen. So gibt es hier ab ca. 2000 B.C. eine Chronologie von Kulturen, die ueber ihre hergestellten Webarbeiten, Keramiken und religioesen Zentren unterschieden werden. Die Tempel und Palaeste wurden aus Lehmziegel gebaut. Das ist natuerlich nicht so das zeitlose Baumaterial wie die Steinbauten der Inkas. Um ehrlich zu sein schauen die meisten noch nicht restaurierten "Tempel" heute aus wie der Kothuegel eines Kelleraushubs nach 3 Tagen durchgehenden Regens. Nur halt ein paar tausendmal groesser.

Auch wurden die Pyramiden, wie bei den Mayas, regelmaessig ueberbaut, sodass man bis zu 5 verschiedene, meterdicke Schalen unterscheiden kann. Quasi eine Sisyphus-Arbeit. Kaum bist fertig und der Fuerst ist beigesetzt, kannst schon wieder fuern naechsten  Fuersten draufbatzen. Aber genau deshalb finden die Archaeologen noch heute unberuehrte Gruften mit originalen Mumien und Grabbeigaben.

Besonders interessant ist die Entdeckung der "Seniora de Cao". Diese ca. 20-25 Jahre junge Lady lebte vor etwa 1700 Jahren und war damals schon eine "Chefin" (jetzt wollen wir aber nix mehr hoeren von Frauenquote in der Vorstandsetage!). Durch die perfekte Mumifizierung sind sogar ihre Tatoos erhalten geblieben (Fotografieren war leider nicht erlaubt
, eh kloar bei einer Frau in dem Alter!). Soviel verraten wir Euch, ein Arschgeweih hat sie keines gehabt.

Liebe Gruesse
Die Alchemisten